| 2.1.1. Geschichte der Karikatur Für Piltz ist die Angelegenheit klar: „Der Streit, wer die Karikatur ,erfunden‘ hat, ist ein Streit um des Kaisers Bart. Es lassen sich weder genaue Daten noch Künstlernamen nennen.“ Diese Aussage mag ihre Berechtigung haben. Denn tatsächlich ist in der Wissenschaft herrschende Meinung, daß es die ersten Karikaturen bereits in der Antike gegeben hat. So fanden sich auf altägyptischen Papyri und griechischen Vasen ebenso wie an Hauswänden im alten Rom vereinzelt Darstellungen, die dem heutigen Verständnis des Begriffes Karikatur entsprochen haben. Auch in mittelalterlichen Kirchen finden sich an Kapitellen der Säulen oder in der Buchmalerei satirische Motive. Sie alle haben gemein, daß weder ihre Urheber noch ihr Erscheinungsdatum bekannt sind. Insofern ist Piltz zuzustimmen. Aber: Eine solche Aussage hat für eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Karikatur keinen Nutzen. Ohne bereits an dieser Stelle detailliert die Geschichte der Karikaturen im Journalismus zu betrachten, dies geschieht in Kapitel 2.1.4., scheint es dagegen sinnvoll zu sein, dem journalistischen Ansatz dieser Arbeit folgend, die Frage zu stellen, wo die Wurzeln der heutigen Pressekarikatur zu finden sind. Lammel, für den die Anfänge der deutschen Karikatur im Dunkeln liegen, vertritt die Ansicht, daß sich humoristische und satirische Darstellungen gut bis ins Mittelalter zurückverfolgen lassen, ohne jedoch den gemeinten Zeitraum einzugrenzen. Konkreter wird Fuchs, der darauf verweist, daß die Karikatur dank der Reproduktionsmöglichkeiten, die ihr Holzschnitt und Buchdruckerkunst ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschaffen haben, von den Wänden der Kirchen und Friedhöfe herabsteigt auf die Straße, wo sie im Einblattdruck zum bewußt und planmäßig angewendeten Kampfmittel wird. Eine ähnliche, auf das 15. Jahrhundert bezogene Zeitangabe findet sich auch bei D’Ester, der feststellt, daß „die Erfindung der Buchdruckerkunst durch Gutenberg nicht nur der Presse, sondern auch der Karikatur einen gewaltigen Aufschwung brachte. Es wurde jetzt möglich, sie mit Hilfe des Druckes und der Reproduktionstechnik in Massen zu verbreiten.“ Dem stimmt Piltz zu, wenn er schreibt: „Die Zahl der satirischen Bilder vervielfältigte sich. Holzschnitt und Kupferstich, beide im 15. Jahrhundert entdeckt, trugen auf die Straße, was bisher geistiger Besitz einer Minderheit gewesen war.“ Die technischen Errungenschaften des 15. Jahrhunderts, namentlich Holzschnitt, Kupferstich, Papierherstellung und Buchdruck, stellen auch für Marienfeld die Ursache „einer breiten Entfaltung des Bilderkampfes“ dar. Obwohl der Begriff Karikatur im beschriebenen Zeitraum noch gar nicht bekannt war, schließe ich mich der Ansicht an, die Wurzeln der Karikatur im von mir verwendeten Sinn im 15. Jahrhundert zu suchen sofern an dieser Stelle Begriffe wie Zerrbild oder Spottbild als Synonym verwendet werden dürfen. Entscheidend dafür ist das Aufeinandertreffen von drei Faktoren, ohne die Karikaturen sich nicht in der Weise hätten entwickeln können, wie sie es getan haben, und ohne die die weite Verbreitung von Karikaturen bis in die jüngste Zeit hinein undenkbar wäre. Ich meine die Erfindung des Papiers (zum Drucken), die Erfindung verschiedener Druck-techniken (der Geschichte der Druckverfahren widmet sich Kapitel 2.1.2.) und die Tat-sache, daß aus künstlerischen Unikaten „Massenware“ wurde. Alle drei Ereignisse kennzeichnen auch meinen Untersuchungsgegenstand. |
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