| 2.1.3. Geschichte der Zeitung Auf den ersten Blick erscheint es müßig, den Begriff und das Entstehen der Zeitung an dieser Stelle erläutern zu wollen, da davon auszugehen ist, daß jeder, der diese Arbeit liest, ein klar umrissendes Bild von dem hat, was eine Zeitung ist und für die meisten von ihnen dürfte das Lesen wenigstens einer Zeitung zum Tagesprogramm gehören. Doch ein genauerer Blick zeigt die Notwendigkeit, denn im Gegensatz zur unterstellten exakten persönlichen Vorstellung des einzelnen herrscht in der Wissenschaft alles andere als Klarheit, wenn es um „die“ Zeitung geht und das, obwohl sich nach Groth und später Kübler bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts erste Analysen bald nach dem Erscheinen „des ältesten periodischen Massenmediums“ mehr oder weniger intensiv mit der Zeitung beschäftigten. Diese unklare Situation mag zum einen im Wesen der Zeitung selbst begründet sein. Vielleicht ist es ein Gegenstand, der gerade wegen seiner Alltäglichkeit und seiner Selbstverständlichkeit wissenschaftlich so schwer zu fassen ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß Wissenschaftler zu allen Zeiten vor dem Problem einer exakten Definition gestanden und sich deshalb stets nur auf den Aspekt konzentriert haben, der ihr unmittelbares Forschungsgebiet betraf und damit jeweils eine Lücke hinterließen, die nie ausgefüllt, aber immer wieder bemerkt wurde. Wie beispielsweise von Brons, der schreibt: „Der Begriff Zeitung zeigt sich so vielseitig, daß es kaum möglich ist, ihn in ein oder zwei Sätzen zu beschreiben. ... Zwar gibt es viele Begriffsbestimmungen; sie wurden jedoch alle unter dem Gesichtspunkt des jeweiligen Werkes fixiert. Dementsprechend sind sie eng gefaßt, ...“ Es sei schon an dieser Stelle angefügt, daß diese Arbeit das Problem ebenfalls nicht löst, sondern sich darauf beschränkt, sich in die Gesamtheit der Werke einzureihen, die mit Begriffen arbeiten, die zum Verständnis des Themas notwendig sind. Schließlich mag auch die dynamische Entwicklung der Zeitung eine Ursache für die so schwierige Beschreibung sein, denn während sich Zeitungen immer wieder fortentwickeln, dabei oftmals in einer Weise, die niemand vorausahnen kann, bleibt der Wissenschaft die Beobachtung des Status quo, die Auseinandersetzung mit Gewesenem und Seiendem. Neue Entwicklungen können es aber mit sich bringen, daß über lange Zeiträume anerkannte Wahrheiten keinen Bestand mehr haben und ehemals gültige Definitionen nach neuen Erkenntnissen hinterfragt werden müssen. Hier sind zum Beispiel Online-Zeitungen und -Portale zu nennen, die erst durch das World Wide Web möglich wurden und zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit ihrem Entstehen änderten sich Kriterien, die für die Zeitungswissenschaft lange unbestritten Gültigkeit hatten. So nannten beispielsweise Lindemann 1969 und Stöber 2000 als Voraussetzungen für das Entstehen von Zeitungen Faktoren wie den Buchdruck und die Papierherstellung (Kriterien, die auch ich oben als formalen Überbau bezeichnet habe). Eine solche Feststellung ist heute nur noch mit Blick auf die zeitliche Entwicklung des Mediums haltbar, als eine Bedingung, durch die das Medium erst entstehen konnte. Unter rein technischen Aspekten sind dagegen heutzutage in der virtuellen Welt der Einsen und Nullen weder Papier noch Druck für eine Zeitung erforderlich. Oder anders gesagt: Gäbe es bis dato keine Zeitungen, so könnten sie in der digitalen Welt auch ohne Papier und Druckverfahren entstehen und würden doch sämtliche Kriterien erfüllen, auf die sich die Wissenschaft bei ihren Definitionsversuchen als kleinstem gemeinsamen Nenner geeinigt und die Groth schon 1928 formuliert hat: Publizität (Öffentlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit), Aktualität (auf die Gegenwart bezogen, die gegenwärtige Existenz betreffend, sie beeinflussend, neu und gegenwärtig wichtig), Universalität (kein Thema ist ausgenommen), Periodizität (in regelmäßigen Abständen immer wiederkehrend, ohne zeitliche Begrenzung). Kleinster gemeinsamer Nenner deshalb, weil sich beispielsweise bei Groth weitere Kriterien wie mechanische Vervielfältigung (Massenproduktion durch ein mechanisches Verfahren) oder gewerbsmäßige Erzeugung (durch ein Wirtschaftsunternehmen) finden, die Brons um die Punkte öffentliches Interesse, Kontinuität und Kollektivität der Mitarbeiter ergänzt, während die Online-Enzyklopädie Wikipedia noch weiter geht, wenn sie feststellt: „Definitionskriterium der Zeitung ist dabei weniger ihr Erscheinungsrhythmus als ihr physisches Erscheinungsbild: Zeitungen pflegen auf speziellem minderwertigen Zeitungspapier in ineinandergelegten ungebunden bleibenden Bögen zu erscheinen ...” Diese Faktoren mögen bei bestimmten Ansätzen ihre Berechtigung haben, für eine allgemeingültige Definition taugen sie jedoch ebensowenig wie die Reduzierung der Kriterien auf weniger als die oben genannten vier Kriterien, beispielweise auf Aktualität und Publizität oder periodisches Erscheinen, Überwiegen der Nachrichtenvermittlung und große öffentliche Verbreitung. Aufgrund der unscharfen Abgrenzung verschiedener Zeitungen und Zeitungsformen ist eine Klassifizierung und Einteilung schwierig. Sie dürfte außerdem, dem jeweiligen Interessengebiet und Forschungsansatz entsprechend, stets unterschiedlich ausfallen. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia schlägt die Einteilung nach Erscheinungsweise, Verbreitungsgebiet und Vertriebsart vor, die noch durch „spezielle Zeitungsformen“ ergänzt wird. Unter dem Oberbegriff Erscheinungsweise faßt Wikipedia Tages- und Wochenzeitungen sowie Sonder-ausgaben zusammen. Dem Kriterium Verbreitungsgebiet entsprechen die Stadtteilzeitung (die laut Wikipedia meist von Bürgerinitiativen erstellt wird), das Lokalblatt (das häufig in der Form eines Anzeigenblattes auftritt), die regionale- und die überregionale Zeitung. Die Unterteilung nach Vertriebsart listet die Abonnement- (durch Zusteller oder Post) und die Boulevardzeitung (Straßenverkauf), Anzeigen- (wird kostenlos an alle Haushalte verteilt) und das Offertenblatt (Zeitung für private Kleinanzeigen, die über den Pressevertrieb oder den Bahnhofs-buchhandel vertrieben wird) sowie die Mitglieder-, Firmen-, Betriebs- und Pendlerzeitung (kostenlose, duch Werbung finanzierte Zeitungen, die an Bahnhöfen, Straßenbahn- oder Bus-stationen verteilt werden) auf. Spezielle Zeitungen sind für Wikipedia schließlich Schüler-, Abitur-, Studenten-, Partei-, Kirchen-, Hochzeits-, Berufsgruppen- und Mitarbeiterzeitungen sowie Amtsblätter. |
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